Hochzeitsgedichte
Hochzeit
Das ist ein Flöten und Geigen,
Trompeten schmettern drein;
Da tanzt den Hochzeitreigen
Die Herzallerliebste mein.
Das ist ein Klingen und Dröhnen
Von Pauken und Schalmein;
Dazwischen schluchzen und stöhnen
Die guten Engelein.
- Heinrich Heine
Zur Hochzeit
Was das für ein Gezwitscher ist!
Durchs Blau die Schwalben zucken
und schrei’n: Sie haben sich geküßt!",
vom Baum Rotkehlchen gucken.
Der Storch stolziert von Bein zu Bein;
Da muß ich fischen gehen -
der Abend wie im Traum darein
schaut von den stillen Höhen.
Und wie im Traume von den Höhen
seh ich Nachts meiner Liebsten Haus,
die Wolken darüber gehen
und löschen die Sterne aus.
- Joseph Freiherr von Eichendorff
Hochzeitslied
Aus der Eltern Macht und Haus
Tritt die züchtge Braut heraus
An des Lebens Scheide -
Geh und lieb und leide!
Freigesprochen, unterjocht,
Wie der junge Busen pocht
Im Gewand von Seide -
Geh und lieb und leide!
Frommer Augen helle Lust Überstrahlt an voller Brust
Blitzendes Geschmeide -
Geh und lieb und leide!
Merke dir's, du blondes Haar:
Schmerz und Lust Geschwisterpaar,
Unzertrennlich beide -
Geh und lieb und leide!
- Conrad Ferdinand Meyer
Brautlied
E r.
„Kommt hervor aus euren Kemenaten,
Brüder, ratet mir! Ich möchte gerne freien."
Fragst du viel, so bist du schlecht beraten;
schau nur selbst herum und da und dort hinein!
Findest du sie still zu Haus
und tätig und verständig,
richte nur den Hochzeitsschmaus:
Der Tanz ist gleich lebendig.
S i e.
„Kommt herein, ihr lieben Nachbarinnen,
Schwestern, ratet mir! man wirbt um meine Hand!"
Fragst du viel, du wirst nicht viel gewinnen;
um dich selbst verschlingt sich ja das Band.
Ob er dir gefallen kann?
Die Augen mußt du fragen.
Ob’s ein braver, guter Mann?
Das muß das Herz dir sagen.
B e i d e.
„Einig sind die Zwei, die sich gefunden!
Lebt nun wohl! Ins Leben geht es fort."
Fließen doch für euch nun andre Stunden;
euch gehört von nun an jeder Ort.
Hand in Hand, wie dieses Paar,
wollen wir das Fest genießen;
fröhlich jauchze die ganze Schar
und stampfe mit den Füßen!
- von Johann Wolfgang von Goethe, 1749 – 1832
Glück und Traum
Du hast uns oft im Traum gesehen
zusammen zum Altare gehen,
und dich als Frau, und mich als Mann.
Oft nahm ich wachend deinem Munde,
in einer unbewachten Stunde,
So viel man Küsse nehmen kann.
Das reinste Glück, das wir empfunden,
die Wollust mancher reichen Stunden
floh, wie die Zeit, mit dem Genuß.
Was hilft es mir, daß ich genieße?
Wie Träume fliehn die wärmsten Küsse,
und alle Freude wie ein Kuß.
- von Johann Wolfgang von Goethe, 1749 - 1832
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